Donnerstag, 18. Dezember 2008

Polizei geniesst Vertrauensbonus bei Nachrichtenagenturen

Eine Diplomarbeit der Hochschule Bremen hat das hehre Ziel Objektivität mit der Realität der Agenturberichterstattung verglichen. Der nüchtern präsentierte Befund: "Das Verhältnis der Agenturen zur Polizei war deutlich weniger distanziert als ... zur Partei der Demonstranten."

Für künftige Studien hat der Verfasser gleich ein paar Hausaufgaben gestellt. Als eine der offenen Fragen nennt er "die nach den Gründen, die die Redakteure dazu bewogen haben, der Polizei mehr Glaubwürdigkeit beizumessen als den Demonstranten." Selz fügt die Frage hinzu: "Warum griff die eigentlich selbstverständliche journalistische Gleichbehandlung von in einen Konflikt involvierten Parteien hier nicht?"

Quelle: Agenturjournalismus.de

Warum gibt es keine journalistische Gleichbehandlung der Konfliktgegner: Polizei und Demonstranten.
Beispielsweise weil Journalisten mit dem Polizei-Apparat kommerziell / beruflich verbandelt sind. Etwa wie diese TV-Journalistin, die immer wieder die Frühlingskonzerte des Polizeichors Hamburg moderiert und sogar noch in der Aus- und Weiterbildung für Journalisten tätig ist, also auch als Multiplikatorin ihrer Nähe zum Polizei-Apparat. Ansonsten spricht sie wie ein Roboter Nachrichten auf 1Extra und moderiert auf 3sat das Wissenschafts-Magazin nano, welches die Öffentlichkeit immer wieder mal mit Des-Informationen im Sinne von Polizei und Geheimdiensten manipuliert.

Im Zusammenhang mit meiner Aufdeckung der Praxis des heimlichen technischen Gedankenlesens und heimlichen Durch-Wohnungsdecken-und-wände-Beobachtens von Bürgern, finde ich die weiteren Tätigkeiten der Journalistin im Bereich Strahlentechnik und Molekulare Bildgebung ziemlich entlarvend.

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Korrupt und verlogen?: NDR-ZAPP

Ich hatte mich schon seinerzeit gewundert, als das NDR-Medienmagazin ZAPP eine Kundenzeitschrift lobte - noch dazu völlig kritiklos ("Keine Schleichwerbung", "Seriöse Titel", "Ausgewogen"). Nicht die Bäckerblume, die zahlt wahrscheinlich zu wenig, sondern die Apotheken-Umschau. Medizin ist per se ein Bereich schwerwiegender Eingriffe in menschliches Leben, durch fremde Hände. Also ein brisanter, sensibler Bereich. Darum fand ich die kritiklose Lobhudelei von ZAPP auf die Apotheken-Umschau durchweg widerlich und hatte schon seinerzeit ein Posting dazu verfasst.

Nun hat das ZDF-Magazin Frontal21 investigativ recherchiert, dass auch die Apotheken-Umschau korrupt ist, indem sie verbotenerweise Pharma-Werbung als redaktionelle also unabhängige Information tarnt. Aufgrund riskanter Arzneimittel hat es bereits Todesfälle gegeben. Ein Witwer wirft der Apotheken-Umschau sogar eine Mitschuld am Tod seiner Frau vor. Demnach wäre auch ZAPP mitschuldig, weil die verantwortlichen Journalisten-Darsteller mutmasslich geldwerte Vorteile für ihre völlig kritiklose Lobhudelei bekommen haben und womöglich bei kritischen Zuschauern dann ein kritikloseres Lesen der Apotheken-Umschau bewirkt haben - schliesslich wurde das Blatt vom scheinbar seriösen NDR empfohlen.

Scheinheilig zitiert ZAPP nun die aktuelle Reportage von Frontal21, tut so als setze man sich genauso kritisch mit solchen Kundenblättern auseinander. Dabei unterschlägt ZAPP jeden selbstkritischen Hinweis auf die eigene journalistische Fehlleistung.

Sonntag, 7. Dezember 2008

ZAPP-Boykott? Es ist offenbar schlimmer.

Wir (ZAPP) wollten bei einem Treffen der Politmagazine Bilder drehen und Interviews führen. Dazu kam es leider nicht. Sie konnten sich nicht einigen, was genau ZAPP filmen darf.
Aber alle waren bereit, uns in ihren Redaktion zu empfangen. ZAPP entschied sich für MONITOR. Mit der Redaktion schien alles geklärt. Doch dann erteilte die WDR-Pressestelle für unseren Dreh ungewöhnliche Auflagen. Deshalb beendete ZAPP das Projekt. Niemand ahnte, dass es danach solche Schlagzeilen geben würde. Denn einen Boykott der Politmagazine gegenüber ZAPP gab es nicht.
Quelle: ZAPP-Sendung vom 26.11.2008

Um zu vermeiden, dass mehr als ein Magazin am selben Thema recherchiert, muss man sich nicht treffen, es würden ein paar Telefonate oder eMails genügen. Um hingegen Kräfte zu bündeln, also für die eine oder andere Recherche zusammenzuarbeiten, bräuchten sich lediglich die dafür zuständigen Journalisten jeweils treffen, wenn überhaupt.
Hingegen regelmässige Treffen aller Politmagazine müssen also andere Gründe haben. Nur welche? Bei solchen Treffen werden sicher keine sogenannten Whistleblower auftreten, das ist wohl kaum der richtige Rahmen. Solche Treffen können eher ein Hinweis auf Kampagnen-Journalismus sein, und es können Orte sein, wo noch andere, externe Leute hinzukommen, von denen man geheime Informationen oder gar zentrale Weisungen entgegennimmt. Warum sonst darf dort nur zensiert gefilmt werden?
Aber sogar in den Räumen einzelner Redaktionen gab es so ungewöhnliche Auflagen, dass ZAPP das Projekt schliesslich ganz stoppte, obwohl man ja prinzipiell dann auf eine andere Redaktion hätte ausweichen können, wo es vielleicht weniger Auflagen gegeben hätte. Offenbar schien auch das nicht möglich. Warum sonst titelt der SPIEGEL, es gebe einen Boykott aller ARD-Politmagazine gegen ZAPP? ZAPP und PANORAMA behaupten nun, es gebe keinen Boykott der Politmagazine.
Wenn es aber keinen Boykott gegen ZAPP gibt, also keinen Grund gegen ZAPP mistrauisch zu sein, dann muss der Grund bei bestimmten Dingen der Politmagazine und ihren Treffen liegen.
Das nährt den schon länger schwelenden Verdacht, dass Journalisten beim Staatsfernsehen, sogar der Politmagazine, Teile des Geheimdienst-Apparates sind oder von diesem mit geheimen Informationen versorgt und gesteuert werden.

Dienstag, 2. Dezember 2008

Undurchsichtiges Fernsehen


Neulich im TV-Interview wurde Elke Heidenreich vom schweizer Moderator - meiner Erinnerung nach sinngemäss - gefragt, ob sie die enorme Macht des Fernsehens, von der manch andere gesellschaftliche Gruppe nur träumen kann, nicht auch kritisiere. Heidenreich fand aber, dass es diesbezügliche Kritik innerhalb der Medien genügend gebe, sie habe allein inhaltliche Kritik.

Einer der grössten Machtfaktoren im Lande ist zweifellos das Staatsfernsehen (ARD und ZDF).
Haben Sie den Eindruck, das Fernsehen ist ein von der Bevölkerung, den Zuschauern mit-gestaltetes, im Kern von uns Bürgern mit-bestimmtes, also demokratisches Medium? Oder kommt es Ihnen nicht doch auch eher wie ein undurchsichtiger Komplex vor?

Offiziell gibt es als inhaltliche Kontrolle den sog. Rundfunkrat oder die Rundfunkräte. Wissen Sie irgend etwas über den Rundfunkrat, ausser seinem Namen? Haben Sie jemals etwas Inhaltliches von den Rundfunkräten gehört, sei es Kritik oder ein regelmässiger Bericht? Von einem Monats- oder Jahres-Bericht des Rundfunkrates, ähnlich dem des Wehrbeauftragten, habe ich noch nie gehört.

Wir, die Bevölkerung wissen weder, wie Personalfragen noch wie Inhalte in den Sendern auf den Tisch kommen und behandelt werden - wir Bürger bleiben aussen vor.

Was haben beispielsweise die ARD-Politmagazine (Monitor, Report, Fakt, Kontraste, Panorama) zu verbergen, dass sie dem NDR-Medienmagazin ZAPP letztlich den Einblick in ihre Redaktionsarbeit verwehrt haben, sodass am Ende der begonnene Zapp-Bericht über diese Politmagazine nicht zustande kam? Und wie kommt das ARD-Politmagazin PANORAMA dazu, eine Erklärung quasi im Namen der NDR-Sendung ZAPP abzugeben? Warum sind zu dieser dubiosen Angelegenheit im Medienbereich fast keine Informationen im Internet zu finden, bis auf die Stellungnahme von Panorama quasi als Vormund von Zapp? Der dort erwähnte Spiegelbericht ist nicht zu googeln, ebensowenig der Artikel in der Süddeutschen (SZ). Auch auf der Zapp-Homepage gibt es keinen Hinweis auf diese auffällige Sache.
Wieder so ein Indiz dafür, dass kritische Dinge gar nicht erst ins Internet gelangen, oder von dort entfernt werden. Unterm Strich lässt das Schlimmes befürchten. In Punkto Pressefreiheit rangiert Deutschland aktuell irgendwo um Platz 20, hinter Bolivien.

Das Fernsehen sagt uns, wieviel Geld die Hartz IV-Empfänger bekommen und wie hoch die diversen Einkommen der Politiker sind, weil die schliesslich Vertreter des Volkes sind und vom Volk bezahlt werden. Warum wissen wir dann nicht, wie hoch die Einkommen der Moderatoren und Redakteure in den Sendern sind? Auch sie werden von den Zwangsgebühren (GEZ) der Bürger bezahlt und auch sie sollen eigentlich Meinungsvertreter der Bevölkerung sein.
Wie Abgeordnete haben TV-Journalisten grossen Einfluss auf Alltag und Leben der Bevölkerung. Darum ist wie bei Politikern auch bei TV-Journalisten wichtig für die Bevölkerung zu wissen, wer die Leute in den Sendern sind und wer sie und in welcher Höhe finanziert. Darüber erfahren wir aber nichts. Allenfalls wird gelegentlich mal ein schleichwerbender Promi oder ein möglicher Interessenkonflikt bei einem Nachrichtenmoderator öffentlich bekannt gemacht. In den angeblich demokratisch-seriösen Sendern passiert erstaunlich vieles erstaunlich geheim.