Montag, 27. Februar 2012

Das Fernsehen der Oberschicht

Das sog. Unterschichts-Fernsehen ist bekannt: das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen (Staatsfunk / ARD & ZDF) mitsamt den sog. kommerziellen Fernsehsendern. Darüber wird hin und wieder gesprochen. Aber was gucken die Eliten - was ist das Fernsehen der Oberschicht?

Augenscheinlich gibt es überall ein grundsätzliches Interesse an authentischen Einblicken in das Leben anderer Menschen. Die Unterschichten bekommen das in gefilterter und aufbereiteter Form als Realität aus zweiter Hand serviert: Big Brother, Super-Nanny, Die strengsten Eltern der Welt, und wie die Reality-Soaps alle heissen. Gemeinsam ist ihnen, dass es das Leben von Amateuren zeigt, die aber wissen, dass sie gefilmt werden. Also man guckt lieber Amateuren als Profis beim Leben zu.
Angeblich gibt es auch einen immer grösseren Markt für Pornos mit Amateur-Dastellern, wie schon vor Jahren beim Aufkommen der ersten Privatsender die Nackedei-Sendung Tutti-Frutti signalisiert hat: Amateure beim Ausziehen beobachten. Es gibt also offenbar einen Hunger nach echtem Leben der anderen, nach dem bekannten Motto: Fleisch ist ein Stück Lebenskraft.

Welcher Bereich bleibt noch, wenn schon die Unterschicht etlichen Privatleuten im Fernsehen beim Leben zugucken kann?

Es bleibt nur noch die heimliche Beobachtung von Leuten in ihren eigenen Wohnungen und bei all ihren sonstigen Tätigkeiten draussen. Das Besondere ist, dass die Betroffene nicht wissen und nicht merken, dass sie gefilmt und abghört werden, und selbst wenn sie es erfahren würden, können sie es nicht verhindern.
Das Fernsehen und Radio der sog. Eliten besteht also aus heimlichen Film- und Tonaufnahmen des Privat- und Intim-Lebens der gewöhnlichen Bevölkerung: Menschliches Leben, das nicht weiss dass es gefilmt und abgehört wird.

Wir Unterschichtler gucken uns im Fernsehen Tierfilme an; die Oberschicht guckt sich uns in unseren Wohnungen an, schaut und hört uns beim Sex zu, beim Diskutieren über Gott und die Welt, beim Verstecken von Geld und Geheimnissen. All die raffinierte moderne Durchleuchtungs-, Spionage und Überwachungstechnik soll sich amortisieren und man findet die viel zu schade, um sie nur gegen Kriminelle und Verdächtige einzusetzen.

Freitag, 24. Februar 2012

"Döner-Morde": Romanfiguren und reale Verschwörungen

Erinnert sich noch jemand an den Fall Andrej Holm? Ein Wissenschaftler welcher von den "Sicherheitsbehörden" der Zughörigkeit zum Terror verdächtigt wurde, weil einige markante Wörter oder Sätze in seinen wissenschaftlichen Texten auch auf Bekennerschreiben von politisch wohl eher links motivierten Gesetzesbrechern gefunden wurden. Die "Sicherheitsorgane" vermuteten da nicht nur eine geistige, sondern womöglich auch eine tätige Nähe.

Vor einigen Wochen las ich aus technisch-wissenschaftlichem Interesse den Roman "Exponentialdrift" von Andreas Eschbach. Es handelt sich ursprünglich um einen Fortsetzungsroman, dessen einzelne Kapitel in 2001 / 2002 fast ein Jahr lang in der FAZ erschienen. In 2003 hat der Autor die einzelnen Folgen zu einem Buch zusammengefasst und ein "Making-Of" hinzugefügt. Als ich darin las, schreckte ich an einer Textstelle zusammen. Eschbach äussert sich grundsätzlich über Schriftsteller und ihre Romanfiguren:

Es ist das Ziel des Schreibens, Figuren zu erschaffen, die ‚stimmen‘, die zu leben scheinen.
Angenommen, man erzählt, ohne sich etwas dabei zu denken, beim ersten Auftauchen der Figur im Roman, sie liebe Blumen. Einfach, weil man irgend etwas schreiben muss.
Doch zweihundert Seiten weiter steht, sagen wir, eine Verfolgungsjagd an, unsere Figur verfolgt einen Bösewicht in einen Blumenladen. Vielleicht wird unsere Figur zögern, den Bösewicht über den Haufen zu schiessen, weil der auf die Kübel mit all den herrlichen Rosen und Azaleen fallen könnte. Vielleicht wird unsere Figur abgelenkt, weil sie plötzlich eine Orchidee entdeckt, die sie schon seit Jahren sucht, und der Schurke nutzt den Moment der Unaufmerksamkeit und flieht.
Was also wird man tun? Entweder gestaltet man die Verfolgung so um, dass die Zuneigung der Figur zu Blumen zum Ausdruck kommt, oder man geht zurück und ändert die Voraussetzungen. Wenn die Figur statt Blumen türkischen Honig liebt, kann sie in einem Blumengeschäft kalten Herzens umherballern, so viel sie will. Oder wir machen aus dem Blumengeschäft einen Zeitungskiosk. Je nachdem, was besser passt.
Aber passen muss es. Und das ist es, was ein Autor meint, wenn er Ihnen erzählt, er könne nichts machen gegen das, was seine Figuren anstellen.


Schlagartig fiel mir dazu die Neonazi-Mordserie ein. Die erste Tat wurde einige Monate zuvor begangen - an einem Blumenhändler. Wenn Eschbach sich irgendwie auf Fakten aus Medienberichten darüber bezogen hätte, wäre das in seinem obigen Zusammenhang allein schon dubios, aber es ist noch eigenartiger: es wurde tatsächlich auch ein Kioskbesitzer ermordet, allerdings nach Erscheinen des Romans.

Ebenfalls im "Making Of" zum o.g. Roman teilt Eschbach seinen Lesern mit:

Aus purem Jux und Dollerei beschloss ich, den [fiktiven.d.B.] Schriftsteller Peter Eisenhardt in den Kreis der Verschwörer aufzunehmen, meinen Lesern schon aus „Das Jesus Video“ bekannt und seither im Verdacht lebend, mein Alter ego zu sein (er ist es nicht, nebenbei bemerkt).

Und weiter:
Die ersten Fassungen der einzelnen Folgen waren nicht selten doppelt so lang wie das erlaubte Limit, was mich in der Überarbeitung zwang, eine erfrischende Grausamkeit dem Text gegenüber zu entwickeln.

Wir haben also einen Romanautor, der Bücher über HighTech und ferngesteuerte Menschen verfasst und dabei auch Schriftsteller als Mitglieder von Verschwörungen darstellt, Grausamkeit erfrischend findet und der, als Beispiele für Romanfiguren und ihre Handlungen, aus einer realen Neonazi-Mordserie Fakten einflicht, die in der Wirklichkeit teils vorher passiert sind, teils erst danach passiert sein werden.

Mittwoch, 22. Februar 2012

Journalisten, political correctness und Nomaden

Was sind Journalisten, die pauschal die Verwendung des Begriffs „Zigeuner“ ablehnen, aber Mietpreller und Wohnungsverwüster als „Mietnomaden“ bezeichnen?

Der Wortteil „Miet“ in Mietnomaden ist nicht negativ besetzt, also muss es der Wortteil „Nomaden“ sein. Nomaden sind aber ganz natürlich und urprünglich durch die südländische Natur ziehende Naturvölker, die mit und von der Natur leben, ohne sie auszubeuten, zu verwüsten oder zu verdrecken. Während das Wort Mietnomade für Mietpreller und Wohnungsverwüster also sachlich falsch und beleidigend für nomadisch lebende, also umherziehende Naturvölker ist, ist der Begriff Zigeuner per se weder sachlich falsch noch beleidigend, sondern eine Sache der Befindlichkeit und des jeweiligen Kontextes seiner Verwendung, und wird den Gemeinten nicht einseitig von aussen auferlegt, sondern von vielen der damit positiv Gemeinten selbst verwendet. Wenn Journalisten also die Verwendung des Begriffs Zigeuner ablehnen und politisch über-korrekt (pük) und sachlich nicht ganz richtig von Sinti und Roma sprechen (denn der Begriff Zigeuner umfasst mehr als Sinti und Roma), hingegen Mietbetrüger und Wohnungsverwüster als Mietnomaden bezeichnen, so zeigen diese Journalisten wie scheinheilig sie tatsächlich sind.

Freitag, 17. Februar 2012

Wulff und das Versagen der Medien

Mobbing „geht an die Nieren", denn Mobbing war es. Der Mann hätte nie Bundespräsi werden dürfen, denn er war seinem Amt nicht gewachsen: langweilige, kraftlose Reden, vorgetragen mit zaghafter, fast weinerlicher Stimme alle halbe Jahr, und dazwischen keinerlei erkennbare Aktionen im Sinne des Gesagten, das war eine Zumutung und eindrücklicher Beweis, dass Überforderung viel Schaden anrichten kann. Aber wenn schon kurz nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe gegen Wulff dann Abends sogar der Kinderkanal sich über Wulff lustig macht, und nach einigen Wochen Wulffbashing dann mehrere Zeitungen auf ihrer Titelseite einen Stempel drucken, des Inhaltes: diese Zeitungsausgabe sei „Wulff frei", ähnlich wie Stempel auf Lebensmittelpackungen „Gentechnik frei", und das Ganze als Teil einer Welle von Wulff-Bashing wohl jeder gesellschaftlichen Gruppe die irgendwie medial präsent ist, dann ist klar, es geht eben nicht primär um Information der Bevölkerung über Verfehlungen eines Politikers, wie Medienvertreter allergisch behaupten um dem Kampagnen-Vorwurf zu begegnen, sondern offenbar darum, jemanden aus seinem Amt zu mobben. Das Ganze schliesslich vor dem Hintergrund, dass Wulff keine Verbrechen oder sonstwelche sensationell schlimmen Dinge vorgeworfen werden, die über das gängige Mass der Korruption in diesem Lande hinausgehen. Aber erst nachdem die Medien Jahre lang im Fall Wulff gepennt haben, denn die Verfehlungen Wulffs passierten während seiner Jahre als Minipräsi von Niedertrachten. Als es zu spät war sind die Medien aus ihrem Schlaf geweckt worden, sind hoch geschreckt, haben ihre Mobbing-Maschine angeworfen und konnten sich freuen, denn mit der Welle Wulffbashing liess sich einiges Geld verdienen. Das Pennen der Medien kostet die Steuerzahler viel Geld. Hätten die Medien ihren Job gemacht, wäre schon vor Jahren Gauck statt Wulff Präsident geworden, die teure Versorgung eines Fehlgriffes wäre den Steuerzahlern erspart geblieben. Die Medien diagnostizieren, Wulff verstehe professionelle Annäherungen an ihn falsch, als Interesse an seiner Person, statt an seiner Funktion. Also Wulff hat quasi ein überdurchnittliches Bedürfniss nach Freundschaften. Das erklärt sich womöglich aus Wulffs Biographie einer sozial defizitären Kindheit. Nicht seine Schuld, aber sein Fehler. All das hätten die Medien schon bei Wulffs Anläufen auf den Posten als Chef von Niedersachsen erkennen und schärfer beobachten können und müssen, und spätestens seit er dann tatsächlich der Landesvater von Niedersachsen war. Die Behauptungen von Journalisten, man habe kein Zugriff auf wichtige Unterlagen gehabt, halte ich für vorgeschoben, denn man hätte - wie jetzt auch - Wulff durch öffentlichen Druck zur Freigabe der Unterlagen bewegen können.
Auch wenn ich Wulff für eine Fehlbesetzung als Bundespräsident gehalten habe, so hat er doch nicht selten Richtiges gesagt. Beispielsweise dass der Islam zu Deutschland gehöre.

In einer ARD-TalkShow zum Thema Wulff:

Donnerstag, 16. Februar 2012

Dr. Schiphago und unsere Medien


Seit Jahren überschwemmen uns die Medien einerseits mit Wellen der Angst vor sog. Multiresistenten Keimen, also dem zunehmenden Versagen der bekannten Antibiotika, um aber angesichts der zigfach geringeren Keimbelastung in den hygienischeren ausländischen Kliniken im Vergleich zu den zigfach dreckigeren deutschen Kliniken fatalistisch die Hände in den Schoss zu legen: es gebe keinen Ausweg, man müsse es so akzeptieren wie es sei, Deutschland habe den Kampf gegen gefährliche Bakterien in Kliniken verloren.

Nicht nur dass diese Resignation zigfach verlogen ist, u.a. auch weil sie dem medial allseits aufgezwungenen Optimus Hohn spricht, sie ist vor allem auch eine inhaltliche Lüge und einmal mehr ein journalistischer Offenbarungseid.

Da erfährt das deutsche und französische Publikum erst kürzlich durch ARTE von der Existenz einer anti-bakteriellen Therapie von doppelt unerwarteter Seite:

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Donnerstag, 9. Februar 2012

Das "menschliche Mikrofon"

Wenn Megafone verboten sind, könnte man es mit dem "menschlichen Mikrofon" versuchen:

Wie es die mutmasslichen Erfinder in New York machen

Und im konkreten Einsatz durch Michael Moore


Ringelpietz mit Anfassen: Polizei und Occupy-Epigonen in Berlin (wollen die was bewirken, und wenn ja was?)

Mittwoch, 8. Februar 2012

Filmkritik: GATTACA

Ein Begriff für die den Globus beherrschende und uns Menschheit versklavende Macht-Elite ist beispielsweise „Goliath"; ein anderes Wort könnte auch „moderner Tyrannosaurus Rex“ (T. Rex) oder auch „Titan“ sein.
In folgender Szene sagt der Film GATTACA etwas über Goliath / Titan und die Funktion der Leit- und MassenMedien, mit ihrer Wolke aus Null-, Des- und Falsch-Informationen:


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Dienstag, 7. Februar 2012

Fahrenheit 451: die unfassbare Metabotschaft


Vordergründung scheint der Film Fahrenheit 451 ein Plädoyer für das Lesen von Büchern zu sein. Schaut man genauer hin, trifft das Gegenteil zu. Der Film ist aus der Mitte der 60er Jahre, als in Zeiten aufkommenden Farbfernsehens, Hifi- und Stereo-Rundfunks und Kassettenrekordern das Buch sicherlich in Bedrängnis geriet, aber eben nicht durch Bücherverbrennungen, darum erscheint das Thema des Films nicht zeitgemäss. Es ist sogar noch extremer: Fahrenheit 451 propagiert als Metabotschaft die Praxis des technischen Gedanken-Fernlesens!

Dass der Film sich eigentlich GEGEN Bücher wendet, wird an einigen Stellen deutlich. So sagt der Protagonist, der berufliche Bücherverbrenner Guy Montag, der soeben das Bücherlesen für sich entdeckt hat: "Ich muss lesen, viel lesen, ich habe viel nachzuholen, die ganze Vergangenheit wartet auf mich". Kann es ein vernichtenderes Urteil über Bücher geben? Bücher als Medium der Vergangenheit. Weiterlesen

Die Shoah als Teil des Holocaust

Ende Januar hatten wir den Gedenktag für die Opfer des Nazi-Faschismus. Wie das Fernsehen diesen Tag gewürdigt hat, weiss ich nicht, aber etwas mehr als eine Woche später zappte ich Sonntags abends in eine ARD TalkShow zu einem Thema mit allein jüdischen Talkgästen. Es ging um das Thema Auschwitz. Weiterlesen

Montag, 6. Februar 2012

Schlaraffenland Medienrepublik: Journalist müsste man sein

Schon ziemlich irre, dass Journalisten von Berufs wegen sich mit allem verbilligt eindecken können, was Mensch so braucht oder wovon viele Normalos nur träumen können. Abgesehen davon, dass es ganz offene Korruption ist.

Wann legen denn mal die journalistischen Flaggschiffe, wie WAZ-Mann Reitz, Stern Meinungröhre Jörges, Tagesthemen Ankermann Buhrow, Hart-aber-fair-Dompteur Plasberg und all die anderen zigtausend Journalisten, die durch Radio-Mikrofone und TV-Kameras hindurch die Nation formatieren und die in den grossen Zeitungen schreiben, ihr Nutzungsverhalten bezüglich Journalisten-Boni offen? Oder wann unterschreibt jeder Journalist öffentlich eine Verpflichtungserklärung, keinerlei Journalisten-Boni zu nutzen und nie genutzt zu haben?

Schlagersängerin enthüllt ein Stück Wirklichkeit - Journalismusdartellerin wiegelt ab

Sonntag, 5. Februar 2012

Attac!, Occupy!, Piraten! Begriffe und Praktiken salongfähig machen

Als Empörungs- und Zorn-Bürger auf die Strassen zu gehen und lautstark und mit Blockaden u.a. für Freiheit und mehr Gerechtigkeit zu kämpfen, erscheint legitim und sinnvoll. Aber warum man diese Bewegungen ausgerechnet mit militärischen Begriffen Attac! (Angriff!) „0ccupy!“ (Besetzen!) belegt, erscheint eigenartig. Warum nicht: Democratize! (Demokratisieren!). Ähnlich merkwürdig wie die Tatsache, dass während am Horn von Afrika Frachtschiffe von Piraten überfallen werden, weshalb dort die Bundesmarine mit Kriegsschiffen kreuzt, gründet sich in Deutschland eine neue politische Partei und nennt sich ausgerechnet Piratenpartei. Weiterlesen